Studie: Guten Appetit!

In dieser, von Arnd Florack, Johanna Palcu und Malte Friese durchgeführten Studie wurde untersucht, welchen Einfluss die Essgewohnheiten anderer Menschen auf unser Essverhalten haben.

Die Autoren stützten sich in dieser Studie auf eine Beobachtung, die vielen vermutlich sehr vertraut ist: Wir essen mehr, wenn andere mehr essen, wir essen weniger wenn andere weniger essen. Die in der Literatur diskutierten Gründe für diese Beobachtung sind vielschichtig. Zum Beispiel macht Essen in der Gruppe mehr Spaß und Verhalten das Spaß macht wird auch öfter und stärker gezeigt. Auch möchten wir nicht ausgeschlossen werden und wir passen unser Verhalten daher an andere an, um uns sozial verbunden zu fühlen. Neben diesen Gründen, kann das Essverhalten anderer auch die einfache Funktion erfüllen, uns darüber zu informieren, welches Essverhalten in einer bestimmten Situation „richtig“ ist. Tatsächlich können wir uns nicht immer auf unsere inneren Impulse, wie das Gefühl satt zu sein, verlassen. Wenn das leckere Stück Kuchen auf dem Tisch vor uns liegt, ist der Impuls den Kuchen zu essen, oft stärker als unser Sättigungsgefühl. Wir möchten uns aber auch nicht falsch verhalten und womöglich mehr essen, als es in einer Situation angebracht wäre. Das Verhalten anderer kann dann als Norm dienen, die uns zeigt, welches Essverhalten in der Situation angebracht erscheint.

Die Autoren setzen an diesem Punkt an und stellen sich die Frage: Wenn das Essverhalten anderer als Norm dient, die uns hilft, „falsches“ Essverhalten zu minimieren, wird diese Norm dann vor allem von jenen Personen genutzt, die eine höhere Motivation haben Fehlverhalten zu vermeiden? Das heißt, passen Personen, die durch Ihre Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten motiviert sind ihr Essverhalten stärker an andere Personen an?

Die Untersuchung der Autoren baut auf der Überlegung auf, dass Menschen unterschiedliche Strategien verfolgen können, um ein und dasselbe Ziele zu erreichen (z.B. etwas leckeres zu essen). Einerseits können Menschen ihren Idealen folgen, das heißt der Erhalt positiver Ergebnisse und die Verbesserung der Situation wird angestrebt. Solche Personen, folgen in der Regel Maximalzielen und werden als promotionsorientiert bezeichnet. Demgegenüber versuchen andere Personen, bei der Zielerreichung durch Erfüllung ihrer Verantwortlichkeiten und Pflichten unerwünschte Folgen zu vermeiden. Sie versuchen, "bloß nichts falsch zu machen". Diese Personen versuchen ein Minimalziel zu erreichen, das heißt einen sicheren Zustand beizubehalten und werden in der Literatur als präventionsorientiert bezeichnet. Abgesehen von der tendenziellen Grundeinstellung der jeweiligen Person, kann das Vorgehen nach einer der beiden Taktiken der Zielerreichung auch hervorgerufen werden, indem man Personen über Ihre Ideale (Promotionsfokus) oder eben über Ihre Verpflichtungen (Präventionsfokus) nachdenken lässt.

In einer Studie baten die Forscher die Versuchspersonen, entweder über ihre Ideale und Ziele oder über ihre Pflichten und Verantwortlichkeiten nachzudenken. Anschließend beobachteten die Versuchsteilnehmer eine weitere Person, die angebotene Kekse entweder konsumierte oder nicht konsumierte. Jene Personen, die zuvor an ihre Pflichterfüllung erinnert wurden, passten ihr Essverhalten eher der anderen Person an als jene, die zielstrebig die über ihre Ideale nachgedacht haben. In einer weiteren Studie fanden sie zudem, dass die andere Person gar nicht anwesend sein muss, um das eigene Essverhalten bei präsenten Pflichten und Verantwortlichkeiten zu beeinflussen. Der beobachtete Effekt zeigte sich auch, wenn nur Informationen über das Essverhalten der anderen Personen vorhanden waren (z.B. leere Behältnisse).

Was  in dieser Studie vor allem deutlich wurde: Der Kontext und die Orientierung, die unser Verhalten leiten, haben einen wichtigen Einfluss darauf, ob wir unser Essverhalten an das anderer Personen anpassen.

 

Wissenschaftliche Publikation zum Thema

Florack, A., Palcu, J., & Friese, M. (2013). The moderating role of regulatory focus on the social modeling of food intake. Appetite, 69, 114-122.

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