Stellen Sie sich vor, etwas zu essen: Haben Sie jetzt noch Appetit?

Wenn wir uns wiederholt vorstellten, eine leckere Speise zu essen, dann kann dies tatsächlich dazu führen, dass diese Speise für uns weniger verführerisch ist. Dieser Effekt basiert auf Habituationsmechanismen. Habituation (Gewöhnung) treibt uns dazu, nach einiger Zeit von einer Speise abzulassen und etwas anderes zu uns zu nehmen. Jeder von uns kennt das Gefühl, nach einem guten Mittagsmahl eigentlich schon "satt" zu sein und dann dennoch beim Desert wieder Appetit zu verspüren. Dieser Mechanismus trägt dazu bei, die Gefahr einer einseitigen Ernähnrung zu vermindern. Interessanterweise hatten Untersuchungen von Morewedge und Kollegen, die in Science publiziert wurden, gezeigt, dass die Vorstellung des Essens schon genügt, um den Effekt zu erzeugen. Viele Menschen wollen abnehmen und weniger Nahrung zu sich nehmen. Was liegt da nun näher, als sich den Konsum einer verführerischen Speise ein paar Mal vorzustellen, um sicher zu gehen, dass man auch wirklich nur ein wenig davon isst? Tatsächlich haben wir diese Ansicht zunächst vertreten. Unsere neueren Studien stimmen uns aber etwas skeptischer. Wir konnten zwar den Effekt der Habituation durch vorgestelltes Essen durchaus replizieren, aber die Wirkung dieser Vorstellungsübung hat Grenzen. So haben wir zum Beispiel gefunden, dass vorgestelltes Essen die aufgenommene Menge einer Speise nicht reduzierte, wenn die Probanden zunächst eines ermüdende Aufgabe bearbeiteten. In einer gerade publizierten Studie von uns, zeigte sich sogar eine Erhöhung der aufgenommenen Menge einer Speise, wenn anstatt der üblichen 30-fachen Wiederholung der Vorstellungsübung, nur 15 Wiederholungen angezielt wurden. Denken wir nun an unseren Alltag, in dem die Versuchungen leckerer Süßspeisen oft gerade dann besonders stark sind, wenn wir müde sind und wenig Kraft aufbringen, uns etwas 30 mal vorzustellen, dann besteht die Gefahr, dass wir das vorgestellte Essen dazu führt, dass wir mehr anstatt wie beabsichtigt weniger essen.

Mehr dazu in unserem aktuellen Artikel zu dem Thema:

Haasova, S., Elekes, B., Missbach, B., & Florack, A. (2016). Effects of imagined consumption and simulated eating movements on food intake: Thoughts about food are not always of advantage. Frontiers in Psychology, 7, 1691.

 

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