Essen und Verantwortung: Wer stellt die Weichen?

Übergewicht ist heute schon bei Kindern weit verbreitet, und die meisten der Erwachsenen sind sich sehr bewusst, dass Sie etwas abnehmen oder sich gesünder ernähren sollten. Eine spannende Frage ist, wer eigentlich die Verantwortung für die ungesunde Ernährung trägt. Sind es die Lebensmittelhersteller, ist es der Staat oder sind es die einzelnen Konsumenten? Im 4. Dialog des f.eh (forum ernährung heute) diskutierten Vertreter aus den Ernährungswissenschaften, der Medizinethik und der Wirtschaft über dieses Thema.

Arnd Florack stellte in einem Vortrag vor, warum wir so oft bei der Umsätze unserer Vorsätze scheitern und was Möglichkeiten sind, trotz dieser Hürden das Ernährungsverhalten zu ändern.

http://www.forum-ernaehrung.at/events/feh-dialog-essen-und-verantwortung-wer-stellt-die-weichen/

Fotos zur Veranstaltung sind online verfügbar

http://www.forum-ernaehrung.at/mehr/galerien/dialoge/

Zusammenfassung des Vortrags

Viele Menschen haben den festen Vorsatz, sich gesünder und ausgewogener zu ernähren. Doch wie bei vielen anderen Vorsätzen scheitert die Umsetzung oft und nur wenige sind mit ihrem Ernährungsverhalten zufrieden. Die Gründe für das Scheitern in der Umsetzung gesünderer und ausgewogenerer Ernährung sind vielfältig und bei weitem nicht darauf beschränkt, dass Menschen zu wenig Wissen über angemessenes Ernährungsverhalten haben. Vielmehr ist uns die Vielzahl von Ernährungsentscheidungen, die wir alltäglich treffen, oft gar nicht bewusst, und wir überschätzen die Bedeutung der eigenen Willensstärke. Tatsächlich ist das Essverhalten zu einem großen Teil durch Einflüsse geprägt, die nicht direkt in der eigenen Motivation begründet liegen. Das Angebot, die Tellergröße und das Verhalten der anderen beeinflusst den eigenen Konsum sehr stark. Dazu kommt, dass die Situationen, in denen wir konsumieren, natürliche Selbstregulationsmechanismen oft außer Kraft gesetzt sind. So führt der Konsum einer bestimmten Speise normalerweise nach einiger Zeit zu einer Habituation und einem geringen Verlangen nach Fortsetzung des Konsums.  Dieser Vorgang setzt vor der tatsächlichen Sättigung ein. Tatsächlich braucht dieser Mechanismus aber Aufmerksamkeit auf das Essen, sind wir – zum Beispiel durch das Essen beim Fernsehen – abgelenkt, findet die Habituation nur im verringerten Maße statt. Diese Außerkraftsetzung eigentlich sehr hilfreicher Mechanismen setzt sich bei der Einschätzung des Kaloriengehaltes von Speisen fort. Ein kalorienhaltiges Gericht erscheint uns weniger kalorienhaltig, wenn zusätzlich ein Salat auf dem Teller angerichtet ist. Das gleiche gilt für einen Snack, der auf der Verpackung mit Abbildungen geschmückt ist, die Gesundheit signalisieren. Die Angabe des Kaloriengehaltes auf Verpackungen hilft nicht viel, da diese voraussetzt, dass Verbraucher und Verbraucherinnen mit den angegebenen Zahlen umgehen können, was leider meist nicht der Fall ist. Auf Grund der vielen Hürden ist es verständlich, dass viele Menschen ihre Vorsätze zu gesünderer und ausgewogenerer Ernährung nicht umsetzen. Eine Betrachtung von Menschen, die sich erfolgreich selbstregulieren können, ist in diesem Fall sehr lehrreich. Tatsächlich ist es weniger die hohe Willenskraft, die diese Menschen auszeichnet als die Anwendung von einfachen Routinen sowie die Gestaltung und Auswahl von Situationen des Konsums. Im Vortrag wird aufgezeigt, welche Werkzeug Menschen einsetzen können, um ihre Vorsätze besser umzusetzen, und warum diese Werkzeuge beispielsweise auch bei der Sozialisation von Kindern hilfreich sein können.

Suche


 
 

Impressum | © werbepsychologie-online.com